Mittwoch, 26. November 2008

Italien, die Toskana und ihre Bücher

Wer sich auf eine Reise in die Toskana und damit nach Italien begibt, hat fast immer schon darüber gelesen oder gehört: einen Reiseführer, einen Fernsehbericht oder manchmal auch die Klassiker, die das Land, wo die Zironen blühen, mit der Seele suchten. Oder nicht ganz so alt: Das wunderbar unterhaltsame Buch von Friedrich Christian Delius "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus", das die Liebe der Deutschen zu Italien über die Jahrhunderte darstellt. "Toskana Begnung mit dem Land der Hügel und Zypressen" ist ein weiteres Buch, das schon lange auf dem Markt ist, aber seine Aktualität bis heute nicht verloren hat. Der Titel ist gleichzeitig Programm: Mit den Bildern von Werner Richner und den Texten von Hans-Albert Stechl entsteht eine eigene Welt, deren Schönheit und Kraft immer wieder überrascht.
Ein neuer Bildband des Fotografen Fabio Muzzi, dessen Bilder des Palio in Siena durch die Welt gingen, zeigt die Toskana in ihren verschiedenen Landschaften und Jahreszeiten. Er beginnt mit einem Bild des schneebedecktgen Val d'Orcia, zeigt den Frühling in der Crete Senesi, den Sommer im Val d'Era und den Herbst bei Cecina. Veröffentlicht von Halsgrove in England (Titel:Perfect Tuscany) ist dieser Bildband das Ergebnis von 15 Jahren Arbeit, oft bei Sonnenuntergang oder kurz nach dem Sonnenaufgang. Ein Teil der insgesamt 150 Bilder wurde in Deutschland als Kalender veröffentlicht. Muzzi zeigt mit seinen schönen und suggestiven Bildern, wie die Toskana jeden Tag neu entsteht oder sich in den Jahreszeiten verändert. Für viele eine schöne Lektüre für die dunkle Jahreszeit oder auch eine Geschenkidee zu Weihnachten, für andere der Anlass, sich schon jetzt nach einer Ferienwohnung in der Toskana zu suchen, um die in den Büchern beschriebene Schönheit selbst zu sehen.

Donnerstag, 13. November 2008

Ein Ferienhaus auf der Insel Paolina?

Fehlt Ihnen noch ein kleines Weihnachtsgeschenk? Bei Ebay könnten Sie fündig werden. Wie die Tageszeitung Il Tirreno am 13.11. meldet, ist die kleine Insel Paolina in der Bucht von Marciana(Elba) bei Ebay zur Versteigerung ausgeschrieben. Sie ist eins der schönsten und am meisten fotografierten Motive der Insel Elba und des toskanischen Archipels. Ein Ferienhaus kann man darauf aber nicht bauen. Dafür sollte man eher auf Elba selbst oder in der Toskana ein Grundstück suchen. Die Isolotto Paolina ist mit ihren zweihundert Quadratmetern Fläche nicht nur zu klein, sondern sie liegt auch in einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Obwohl man also nur das Gefühl kaufen kann, der Besitzer einer der berühmtesten Inseln der Welt zu sein, wurden bislang schon 30.000 Euro geboten. Der jetzige Besitzer möchte allerdings die 100 Tausend Euro Marke überschritten sehen. Naturschützer, Archäologen und die Gemeinde Marciana sehen diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Wurde doch erst kürzlich die Insel Cerboli an der nordöstlichen Spitze von Elba zum Verkauf angeboten. Vor ein paar Jahren wurden auf der Insel Paolina Reste eines römischen Zentrums für Eisenverarbeitung gefunden. Der Präsident der Umweltkommission der Region besteht darauf, dass die Insel frei zugänglich bleiben soll. Die Verantwortlichen des Naturschutzgebietes und die Gemeinde Marciana bemühen sich nun, alle Kräfte zusammen zu nehmen und die Insel selbst zu kaufen.

Montag, 10. November 2008

Rettung in letzter Not

Wer nach der Lektüre dieses Artikels glaubt, hier würde nur Seemannsgarn gesponnen, der irrt sich. Es war der 4. Oktober 2008. Eine lustige Crew segelte bei gutem Wind von Portisco / Sardinien nach Bonifacio / Korsika. Unsere Segelyacht, eine Sun Odyssey 43, hieß Roma und machte mit ca. 8 Knoten gute Fahrt. Es war der erste Tag unseres Törns und alle waren von Wind, Wetter und dem schönen Schiff begeistert. Um 12.15 Uhr befanden wir uns auf 41Grad, 10 Minuten Nord und 009 Grad 31,5 Minuten Ost etwa eine Seemeile südlich der Isolotti dei Monaci. Als Dieter uns zurief, dass da jemand vor uns mitten im Wasser treibt, hielt ich das erst für einen Scherz oder einen Irrtum. Wir hatten schon genug Tribgut gesehen. Andreas, unser Skipper, reagierte sofort. Motor an, Segel bergen und Kurs wechseln: Das war in kürzester Zeit geschehen. Mittlerweile konnten wir es alle sehen: Ein Mann im Neoprenanzug gab mit seinen gelben Flossen ein weit sichtbares Seenotzeichen. 2,5 Seemeilen von der nächsten größeren Insel entfernt, wurde er von Wind und Strömung Richtung Ost-Südost auf das Meer getrieben.
Schnell waren wir bei ihm und konnten ihn über die Badeplattform bergen. Der Mann war völlig fertig. Heiße Getränke und Schokolade brachten ihn soweit wieder auf Deck, dass er uns auf englisch und italienisch erzählen konnte, was passiert war. Er war unter Wasser durch die Strömung von seinem Tauchpartner getrennt worden. Warum er außer einem Neoprenanzug und seinen Flossen keine weitere Tauchausrüstung hatte, konnte er uns nicht erklären. Er deutete auf ein ca. eine Seemeile entferntes Schlauchboot, in dem er seine Leute von der Tauchbasis vermutete. Das waren sie auch. Es stellt sich nur heraus, dass sein Tauchpartner auch noch vermisst wurde. Unsere Nachfrage, ob die Küstenwacht informiert und eine Rettungaktion eingeleitet sei, wurde verneint. Unser Skipper entschied, dass wir in diesem Falle den Seebereich nicht verlassen könnten, sondern nach dem zweiten Mann suchen müssten. Nachdem wir den von uns Geretteten in der Obhut seiner Freunde im Schlauchboot zurückgelassen hatten, machten wir uns auf die Suche. In etwa um 13.00 Uhr hörte ich eine hohes Pfeifen, glaubt aber erst an ein Windgeräusch in den Wanten. Als ich die anderen Crewmitglieder aufmerksam macht, hörten sie den gleichen Ton. Wir änderten den Kurs in Richtung des Pfeiftons und sahen nach kurzer Zeit ein Leuchtzeichen und dann eine rote Rettungsboje mit einem Taucher. Der war aber mit Rettungsweste und Flaschen bestens ausgerüstet und sah nicht so entkräftet aus wie sein Kollege, den wir als ersten aus dem Wasser gezogen hatten. Seine Bergung über die Badeplattform gestaltete sich trotzdem nicht ganz einfach, da wir ihn mit seiner ganzen Ausrüstung an Bord holen mussten. Obwohl er auch schon eine Weile im Wasser gelegen haben musste, war der Mann fit. Er sprach im wesentlichen nur italienisch und erzählte eine noch verworrenere aber andere Geschichte als sein Kollege. Da kam uns das Schiff der Guardia Costiera gerade recht, das auf uns zusteuerte. Nach einem kurzen Wortwechsel zwischen unserem Taucher und den Männern von der Guardia Costiera drehten die aber wieder ab und überließen uns unserem Schicksal. Offensichtlich hatten sie aber per Telefonino das Schlauchboot der Tauchbasis informiert, das in einem ganz anderen Bereich gesucht hatte. Wenn wir nun gedacht hatten, die Rückkehr des zweiten Tauchers zu seiner Tauchcrew würde eine große Freude auslösen und wir würden zusammen ein großes Rettungsfest feiern, hatten wir uns getäuscht. Als wir uns dem Schlauboot ca. 10 Meter genähert hatten, begann eine große Schreierei mit extrem unfreundlichen Worten und Ausdrücken zwischen unserem Taucher und der restlichen Besatzung des Schlauchboots. Niemand wollte uns erklären, worum es ging. Unser geretteter zweiter Gast verabschiedete sich mit einem kurzen "Grazie", das Schlauchboot wendete und verschwand. Obwohl wir uns um unser Rettungsfest geprellt fühlten, nahmen wir Kurs auf Bonifacio und kamen da noch bei gutem Licht an.
Vielen Dank an Clemens für die schönen Fotos!

Dienstag, 4. November 2008

Esel vor dem schiefen Turm von Pisa



Die Piazza dei Miracoli in Pisa hatte am 3. November 2008 andere Besucher als normalerweise. Neben den üblichen Touristen waren es vier Esel, die den schiefen Turm bestaunten. Professor Francesco Camillo von der Fakultät für Veterinärmedizin in Pisa hatte sie und zwei Dutzend Studenten mitgebracht, um gemeinsam gegen das Gesetz Nummer 133 zu protestieren, das in ganz Italien zu Protesten, Schulstreiks und Blockade von Examen geführt hat.

Unter den belustigten Augen der Touristen erklärte er, warum die Forschung über die vom Aussterben bedrohten Esel keine Verschwendung öffentlicher Gelder ist, wie ihm im Fernsehen vorgeworfen worden war: Die Milch dieser Esel wird zur Ernährung von Frühgeburten und bei Unverträglichkeit gegen andere Milch verwendet.

Diese Aktion in Pisa ist nur ein kleiner Teil des Widerstands gegen die tiefen Einschnitte der Regierung Berlusconi in den Bildungssektor:
Was sieht die Reform vor? Acht Milliarden Euro im Jahr weniger für den Bildungssektor: Unabhängig davon, wie gewirtschaftet wurde, müssen Unis Streichungen hinnehmen. Hinzu kommen fast 85.000 Lehrerstellen weniger in den kommenden drei Jahren. Alle Schulen mit weniger als 50 Schülern müssen schließen - was die armen, entlegenen, und bildungsschwachen Gegenden hart treffen dürfte.
Dann: Wiedereinführung der versetzungsrelevanten Betragensnote und in der Grundschule das Klassenlehrersystem – wogegen sich die Gewerkschaften besonders stark stemmen, denn der hätte mehr Wochenstunden zu geben als derzeit tarifvertraglich vereinbart.


"Wir demonstrieren für unser Recht auf das Studium, und zwar so lange, bis die Ausbildung für die Regierung nicht mehr ein lästiger Ausgabeposten ist, sondern zur Investition wird", sagte beispielsweise der römische Medizinstudent Angelo - "Und unsere Professoren sind dabei und unserer Meinung, denn Bildung ist das höchste Allgemeingut."
Die Assistenzen der Universität Pisa blockieren die Examen, da sie um ihre Zukunftschancen bangen. Der nationale Protest ist auch in der Toskana angekommen.

Die Opposition in Italien geht wieder in die Öffentlichkeit, die seit der letzten Wahl vom Wahlsieger Berlusconi beherrscht wurde. Jeder zweite Italiener wendet sich gegen das Gesetz Nummer 133 und die Universitäten und Schulen finden zur Zeit keine Ruhe.