Dienstag, 4. November 2008

Esel vor dem schiefen Turm von Pisa



Die Piazza dei Miracoli in Pisa hatte am 3. November 2008 andere Besucher als normalerweise. Neben den üblichen Touristen waren es vier Esel, die den schiefen Turm bestaunten. Professor Francesco Camillo von der Fakultät für Veterinärmedizin in Pisa hatte sie und zwei Dutzend Studenten mitgebracht, um gemeinsam gegen das Gesetz Nummer 133 zu protestieren, das in ganz Italien zu Protesten, Schulstreiks und Blockade von Examen geführt hat.

Unter den belustigten Augen der Touristen erklärte er, warum die Forschung über die vom Aussterben bedrohten Esel keine Verschwendung öffentlicher Gelder ist, wie ihm im Fernsehen vorgeworfen worden war: Die Milch dieser Esel wird zur Ernährung von Frühgeburten und bei Unverträglichkeit gegen andere Milch verwendet.

Diese Aktion in Pisa ist nur ein kleiner Teil des Widerstands gegen die tiefen Einschnitte der Regierung Berlusconi in den Bildungssektor:
Was sieht die Reform vor? Acht Milliarden Euro im Jahr weniger für den Bildungssektor: Unabhängig davon, wie gewirtschaftet wurde, müssen Unis Streichungen hinnehmen. Hinzu kommen fast 85.000 Lehrerstellen weniger in den kommenden drei Jahren. Alle Schulen mit weniger als 50 Schülern müssen schließen - was die armen, entlegenen, und bildungsschwachen Gegenden hart treffen dürfte.
Dann: Wiedereinführung der versetzungsrelevanten Betragensnote und in der Grundschule das Klassenlehrersystem – wogegen sich die Gewerkschaften besonders stark stemmen, denn der hätte mehr Wochenstunden zu geben als derzeit tarifvertraglich vereinbart.


"Wir demonstrieren für unser Recht auf das Studium, und zwar so lange, bis die Ausbildung für die Regierung nicht mehr ein lästiger Ausgabeposten ist, sondern zur Investition wird", sagte beispielsweise der römische Medizinstudent Angelo - "Und unsere Professoren sind dabei und unserer Meinung, denn Bildung ist das höchste Allgemeingut."
Die Assistenzen der Universität Pisa blockieren die Examen, da sie um ihre Zukunftschancen bangen. Der nationale Protest ist auch in der Toskana angekommen.

Die Opposition in Italien geht wieder in die Öffentlichkeit, die seit der letzten Wahl vom Wahlsieger Berlusconi beherrscht wurde. Jeder zweite Italiener wendet sich gegen das Gesetz Nummer 133 und die Universitäten und Schulen finden zur Zeit keine Ruhe.

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