Samstag, 14. Februar 2009

Ein großes Auge überwacht den toskanischen Archipel

Ein großes Auge, das wie ein Fischaugenobjektiv einen Umkreis von 360 Grad erfasst, wird von jetzt an der Wächter gegen illegale Fischerei im Naturschutzgebiet des toskanischen Archipels und des Tyrrhenischen Meeres sein. Dieses spezielle Radargerät über wacht den Archipel von einem 27 Meter hohen Gerüst auf der Schutzmauer des kleinen Hafens von Pianosa, der Teufelsinsel. Dort sitzen jetzt keine Mafiosi mehr ein. Mit Ausnahme von geführten Besuchen darf sie heute nicht mehr betreten werden, um das Ökosystem zu schützen. Der Blick könnte bis nach Livorno gehen, in Civitavecchia eintauchen und auf Cap Corse wieder auftauchen. Die Tragweite des Radarstrahls geht bis zu 72 Meilen, der Einsatzbereich liegt aber in einem Radius bis zu 60 Meilen. „Im Bereich zwischen 48 und 60 Meilen sieht dieser Radar buchstäblich jede Stecknadel“, erklärt erklärt Nerio Busdraghi, Chef der Hafenaufsicht von Portoferraio. Das Gesamtprojekt besteht aus dem Radarauge, einem Verstärker auf dem Berg Capanne auf Elba und einem Computer in Portoferraio. Gebaut und gewartet wird das ganze Projekt von einem Unternehmen, das schon für das Justizministerium ein Überwachungssystem bauen sollte, als Pianose noch Gefängnisinsel war.

Aber jetzt ist es die Verwaltung des Naturschutzgebietes Toskanischer Archipel, die dem Hafenamt die tagtägliche Verwaltung des Überwachungssystems übertragen hat. Der Präsident des Naturschutzgebietes Mario Tozzi erklärt, dass das System geplant und finanziert wurde, um die Illegale Fischerei zu unterbinden. Und in der Tat hat die Guardia Costiera in den letzten Monaten zahlreiche Fischernetze in verbotenen Gebieten beschlagnahmt. „Heute können die illegalen Fischer nicht mehr mit dem angeben, was sie tun, weil sie nirgendwo mehr hinfahren können, ohne vom Radar gesehen zu werden“ erläutert Tozzi. Selbst in einem kleinen Boot von 5 Metern Länge können sie verfolgt werden, wenn sie einmal aufgespürt wurden. Das Radarsystem sieht sie und die Motorboote der Guardia Costiera erledigen den Rest.
Der Hauptzweck ist zwar die die Bekämpfung des illegalen Fischfangs, aber das große Auge dient auch der Umweltsicherheit in der Region. Zusammen mit dem AIS-System, das für alle größeren Schiffe die Position, Größe und viele andere Daten bereithält, können Umweltsünder aufgespürt werden. Wenn zum Beispiel zwischen Pianosa und Monte Christo eine Umweltverschmutzung stattfindet, kann das Superradarsystem auch die Schiffe aufspüren, die mit abgeschaltetem AIS fahren. Die könnten ja etwas zu verbergen haben und werden von den Schnellbooten des Küstenschutzes gefunden und kontrolliert.
Die Frage, ob dieses System bei einer möglichen Wiedereröffnung des Gefängnisses auf der Insel, über die zur Zeit in der Toskana heftig diskutiert wird, die Kontrolle über die Insel übernehmen wird, wird von den Verantwortlichen des Naturschutzgebietes verneint, weil die Verwaltung des Naturschutzgebietes zustimmen müsste, dies aber nicht tun wird.